Der Pflege Bahr: privat für den Pflegefall vorsorgen

Mit dem sogenannten „Pflege-Bahr“ wollte der damalige Gesundheitsminister Bahr die Menschen dazu bewegen, für den Pflegefall privat vorzusorgen. Nur wenige nahmen das Angebot an. Im letzten Jahr verglich Focus-Money die Tarife und stellte fest: Die finanziellen Vorteile sind sehr gering.

Pflegestufe

Das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) in Köln untersuchte bei 20 Versicherern die geförderten Tarife. Die Bahr-Pflege bezuschusst der Staat mit monatlich fünf Euro. Der Versicherte bringt eine Eigenleistung von mindestens zehn Euro auf. Tritt der Pflegefall ein, erhält er in der derzeit höchsten Pflegestufe III einen Zuschuss von monatlich 600 Euro. Drei Anbieter erklärte das Institut zu Testsiegern – doch empfehlenswert ist keiner der Tarife. Das DFSI verglich die geförderten und die nicht geförderten privaten Pflegeversicherungen.
Für die Bewertung der Pflege-Bahr im Jahr 2015 nahm das Institut verschiedene Beitrittsalter zum Vergleich, und zwar für das Alter von 25, 40, 50 und 60 Jahren. Die Versicherer füllten Fragenbögen über die Tarifbedingungen und Leistungen aus und unterschieden sowohl die einzelnen Pflegestufen als auch die stationäre und ambulante Betreuung.

Note 1,19

Drei Versicherer belegten mit der Note 1,19 Platz ein. Diese sind Allianz mit dem Tarif PZTG02, Arag mit FörderPflege PF und Central mit central.pflege. Nachdem die Tester die konkreten Merkmale der Tarife in Augenschein nahmen, blieb als Testsieger die Allianz übrig. Bei der Allianz setzt die PflegeBahr keine Mindestvertragsdauer oder Wartezeiten voraus. Sie leistet auch, wenn der Versicherte seinen Wohnort innerhalb der EU wechselt oder in die Schweiz zieht.

Leistungen

Die Versicherer machen ebenfalls Unterschiede bei den monatlichen Leistungen. Hier unterscheiden sie nach Alter und Pflegestufe. Mit einem Beitrittsalter von 25 Jahren kann der Versicherte mit einer monatlichen Zahlung von 1.770 Euro rechnen. Diese verringert sich, je älter der Versicherte bei Eintritt ist; bei einem Eintrittsalter von 50 Jahren erhält der Versicherte nur noch 600 Euro. Die Beträge beziehen sich auf die noch aktuelle Pflegestufe III. Fakt ist, profitieren können diejenigen, die in jungen Jahren die BahrPflege abschließen.
Eine Schwachstelle bildet der Personenkreis, der sich ab seinem 40. Lebensjahr für die BahrPflege entscheidet. Hier gibt es zu geringen Leistungen. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass ein Platz im Pflegeheim monatlich weit mehr als tausend Euro kostet (bezogen auf Pflegestufe III). Diese Kosten fängt die staatlich geförderte BahrPflege mit ihren Mindestleistungen nicht auf. Eine weitere Tatsache ist, dass sich junge Menschen mit der Pflegebedürftigkeit nicht auseinandersetzen. Doch gerade für diesen Personenkreis lohnt sich diese geförderte Versicherung.

Kriterien

Die geringen Leistungen resultieren aus den Aufnahmekriterien. Diese sind im Gegensatz zur nicht geförderten privaten Pflegeversicherung mehr als gering. Die Versicherer gehen mit jedem Vertragsabschluss ein hohes Risiko ein, das sie im Vorfeld nicht abschätzen können. Ein hoher Leistungsanspruch ist bei derartigen Risiken nicht gegeben.

Kinderwunschbehandlungen über die Private Krankenversicherung abrechnen?

Viele Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos und unternehmen alles Erdenkliche, um ein Kind zu bekommen. Kinderwunschbehandlungen sind ein Teil der Chancen, welche Paare wahrnehmen. Ungewollte Kinderlosigkeit erkennen die gesetzlichen Krankenkassen nicht als Krankheit als solche an. Sie beteiligen sich jedoch an den Kosten mit einem Anteil zwischen 50 und 75 Prozent, einige tragen auch die gesamten Kosten. Der Zuschuss der Kassen hängt von der Krankenversicherung ab und vom Bundesland, in dem das Paar lebt.

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Kosten für die Kinderwunschbehandlung

Private Krankenversicherer übernehmen ebenfalls die Kosten für die Kinderwunschbehandlung. Sie haben die Möglichkeit, die Kostenerstattung zu begrenzen, und zwar auf einen Maximalbetrag pro Jahr. Eine entsprechende Klausel im Vertrag verstößt nicht gegen deutsches Recht und auch nicht gegen die transparenten Bedingungen des Versicherungsvertrags. Dieses Recht, so das Urteil des Landgerichts Köln mit Aktenzeichen 23 O 468/13 vom September 2014, steht dem privaten Krankenversicherer zu.

Kosten

Im vorliegenden Fall übernahm der private Krankenversicherer die Kosten von 7.500 Euro pro Jahr. Der Kläger berief sich auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Er erkannte darin einen Verstoß gegen das Gebot der Transparenz und verlangte die tatsächlichen Kosten für die künstliche Befruchtung. Als unbegründet wies das Landgericht Köln die Klage ab.
Nach der Entscheidung der Richter des Landgerichts Köln ist der Vertrag, der eine Klausel bezüglich der Kostenübernahme für Kinderwunschbehandlungen beinhaltet, rechtens. Dem Kläger bleibt es unbenommen, auf eigene Kosten mehrere Versuche der künstlichen Befruchtung vornehmen zu lassen. Die Kostenübernahme der privaten Krankenversicherung sei großzügig bemessen.

Urteil

Dieses Urteil ist auch für andere private Anbieter interessant. Sie können vertraglich feste Grenzen für die Kostenübernahme der Kinderwunschbehandlungen festsetzen.