Beiträge der Privaten Krankenversicherungen 2016

In den letzten Monaten, jedenfalls nach Bekanntgabe der Beitragserhöhungen für das Jahr 2016 war es um die PKV ruhig geworden. Das bedeutet jedoch nicht, dass es der PKV besser geht, sondern nur, dass die privaten Krankenversicherer zu kämpfen haben. Das Neukundengeschäft hat nachgelassen, viele Kunden haben die Gesellschaft gewechselt, verdienen nur noch so viel, dass eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung möglich ist oder sie sind arbeitslos und können damit ebenfalls in die GKV wechseln. Schwer zu schaffen macht auch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Niedrige Zinsen führen zum Schmelzen der Kapitalerträge, was die Gesellschaft nur schwer verkraften.

Bundestagswahl

Auch die Bundestagswahl 2017 macht die Branche nicht optimistisch. Immer mehr Politiker reden von der Bürgerversicherung, in welcher die Mitglieder der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zusammengeführt werden sollen. Noch gibt es beide Säulen der Krankenversicherung, doch wie lange sich die PKV nach der nächsten Bundestagswahl halten kann, kommt auf die Parteien an, welche die zukünftige Regierung bilden können. Auch stellt sich die Frage, ob und wie lange sich CDU/CSU gegen den Wunsch von Bündnis 90 die Grünen, den Linken und der SPD widersetzen können.

Neugeschäft PKV

Bei allen Anbietern der privaten Krankenversicherung kommt das Neugeschäft nicht auf Touren, im Gegenteil, es ist rückläufig und das schon seit mehr als drei Jahren. Das liegt auch daran, dass die Zahl der Selbstständigen im Sinkflug ist und auch für die nahe Zukunft keine Kursänderung in Sicht ist. Allein die DKV hat im Jahr 2014 mehr als 21.600 Mitglieder verloren; bei der Central waren 21.655 Mitglieder und auch die Allianz, die ein starkes Neukundengeschäft verzeichnen konnte, verlor fast 14.000 Mitglieder. Nur wenige Versicherer konnten neue Mitglieder gewinnen. Zu diesen Unternehmen gehören die Debeka und die HUK-Coburg sowie die AXA und die Hansemerkur.

Hanse Merkur, Axa und Co.

Für einige Versicherer, hauptsächlich für diejenigen, welche in der Vergangenheit neue Kunden mit extrem billigen Angeboten lockten, ging der Schuss nach hinten los. Sie boten eine Vollversicherung zum günstigen Preis an, in Erwartung auf einen Wechsel des Kunden in einen leistungsstärkeren und damit teureren Tarif. Dieser Wunsch blieb unerfüllt, was eintrat war das Gegenteil. Viele Vermittler dieser billigen Versicherungen erhielten hohe Provisionen, was für die Versicherer auf der Kostenseite schwer zu Buche schlug. Wer eine Vollversicherung zu einem extrem günstigen Preis hat, der wechselt nicht in einen Tarif, der mehr Geld kostet. Außerdem nehmen solche Angebote Menschen war, die sich keine hohe Kosten für die Krankenversicherung und damit für einen anderen Tarif leisten können oder wollen.

Man wird das Gefühl nicht los, dass bei der privaten Krankenversicherung die Ruhe vor dem Sturm eingekehrt ist

In diesem Jahr hatte die PKV Glück, dass die Bundesregierung bei ihrer Gesundheitspolitik die Thematik PKV ausgeklammert hat. Allerdings steht die PKV in den Negativschlagzeilen der Presse, hauptsächlich aufgrund der letzten Beitragserhöhung. Aktuell ist etwas Ruhe eingekehrt, was jedoch nicht heißt, dass kein Beitragssturm in absehbarer Zukunft erfolgen wird.

Unisex Tarife

Im letzten Jahr hatte die Branche einen Rückgang im Neugeschäft von satten zehn Prozent zu verzeichnen. Daneben stiegen die Beiträge aufgrund der neuen Unisex-Tarife an. An den höheren Prämien war auch die Senkung des Rechnungszinses nicht unschuldig, die gleichzeitig mit den Unisex-Tarifen auf die privaten Krankenversicherer zukamen. Daneben macht den Gesellschaften die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zu schaffen. Auch Verkaufsargumente, mit welchen die private Krankenversicherung ihre Vorteile gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung zeigte, verschwanden spätestens mit den Unisex-Tarifen. Die finanzielle Lage der PKV wird nicht einfacher. Immerhin stiegen im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 die Ausgaben für jedes versicherte Mitglied der PKV um 15 Prozent an. Damit kamen Beitragserhöhungen zustande, die weit über den Lohnerhöhungen liegen.

Beiträge steigen

Für die privaten Krankenversicherer macht sich jetzt bemerkbar, was die Lebensversicherer schon seit einiger Zeit zu schaffen macht. Gemeint ist das seit langer Zeit andauernde Tief der Zinsen. Diese Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank führt bei den privaten Krankenversicherern zu einer stärkeren Absenkung der Rechnungszinsen. Diese Absenkung wird zum Problem hauptsächlich für ältere Bestandskunden, die mit spürbar höheren Anpassungen ihrer Beiträge rechnen müssen. Im umgekehrten Fall fehlen Zinsgewinne für jüngere privat Krankenversicherte. Diese sind aber notwendig, um individuelle Reserven für das Alter dieser jetzt noch jungen Generation der Privatversicherten anzusparen.

PKV passt an

Für die PKV stellt sich die Frage, wie sie die Anpassung der Beiträge besonders für altere Bestandskunden im Rahmen halten kann. Diese Frage führt zum Blick auf das Neukundengeschäft, das vor sich hin dümpelt. Für potenzielle Kunden gibt es keine attraktiven Tarife oder ein Versicherungsprodukt, das auch in Zukunft Bestand hat.

Bundestagswahl

Die privaten Krankenversicherer befinden sich in schweren Zeiten. Auch die nächste Bundestagswahl, die 2017 stattfindet, kann die Versicherer nicht optimistisch stimmen. Ob und in wie weit der Weg der PKV nach der Wahl weitergeht, entscheidet die Zusammensetzung des Bundestages und der Regierung. Eine Reihe der Abgeordneten, auch in Regierungskreisen, spricht sich immer deutlicher für die Schaffung einer Bürgerversicherung aus. Noch befindet sich die PKV im Ruhezustand, doch der nächste Sturm ist vorprogrammiert und damit die Frage, wie gut sich die PKV darauf vorbereitet hat.

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