Tarife mit Beitragsänderungen in der privaten Krankenversicherung

Wie jedes Jahr sorgten auch zum Jahreswechsel 2015/2016 die Schreiben der privaten Krankenversicherungen an ihre Mitglieder, in denen sie die Beitragsanpassungen bekanntgaben, für Unmut unter den Versicherten. Neu bei den Schreiben waren die Angebote für Tarife mit günstigeren Beiträgen, welche alle Versicherten erhielten, die das 55. Lebensjahr vollendet hatten.

Niedrige Zinsen

Der Grund für die Beitragserhöhungen der privaten Krankenversicherer wurde schnell gefunden: Das niedrige Zinsniveau ist der Schuldige. Schuldig deswegen, weil die privaten Krankenversicherer einen Teil der vereinnahmten Beiträge dazu verwenden, um Altersrückstellungen aufzubauen. Der Kapitalaufbau erfolgt auf dem Kapitalmarkt, damit die für die Altersrückstellungen vorgesehenen Beiträge Zinsen bringen und die Beiträge im Alter der Mitglieder „stabil“ halten.

Kapitalmarkt

Leider ist es nicht immer der Fall, dass der Kapitalmarkt das Zinsniveau hat, das sich diejenigen vorstellen, welche das Geld anlegen. Dies mussten auch die privaten Krankenversicherer erfahren. Ihre kalkulierten Zinserträge lagen weit über den Erträgen, die sie tatsächlich für das angelegte Kapital erhielten. Damit die Altersrückstellungen gesichert werden konnten, mussten die Krankenversicherer den Aufbau der Altersrückstellungen in wachsendem Maße aus den vereinnahmten Beiträgen finanzieren.

Medizin

Der zweite „Schuldige“ ist ebenfalls schnell gefunden: Das Alter. Die Menschen und damit auch die privat Krankenversicherten werden immer älter. Mit der modernen Medizin ist es auch noch Senioren möglich, aktiv am Leben teilzunehmen. Senioren halten sich fit, machen Gymnastik, gehen wandern und den einen oder anderen Senior jenseits der 70 findet man im Fitnessstudio wieder. Allerdings geht das Alter auch an aktiven Senioren nicht vorbei. Sie besuchen öfters den Arzt, ziehen auch den Facharzt zu Rate und benötigen Medikamente. Alle Maßnahmen rechnen sie selbstverständlich mit ihrer Krankenversicherung ab.

Zahlungsfähigkeit

Auch zum Kreis der Verdächtigen sind Mitglieder, die entweder ausscheiden oder aufgrund von Zahlungsunfähigkeit in den Notfalltarif wechseln müssen. Daneben wechseln auch Mitglieder von einem teuren Vollversicherungs-Tarif in den Basistarif. Für den Versicherer bedeutet dies, niedrige Beiträge und weniger Anteile für die Altersrückstellungen.

GKV

Mitglieder, die das 55. Lebensjahr erreicht haben, können grundsätzlich den Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr vornehmen. Es gibt zwar Ausnahmen, doch die sind dünn gesät. Für sie ist auch der Wechsel in eine andere Gesellschaft nicht mehr lukrativ, da sie in diesem Alter meist mit Vorerkrankungen belastet sind.  Mit dem Angebot für einen günstigeren Zieltarif, den privat Krankenversicherte ab dem 55. Lebensjahr mit dem Schreiben der Beitragsanpassung erhalten, ist gleichzeitig das Angebot enthalten, sich direkt mit dem Krankenversicherer in Verbindung zu setzen, wenn ein Tarifwechsel gewünscht wird. Die Beratung beim Anbieter ist kostenfrei im Gegensatz zur Beratung bei einem Tarifoptimierer.