Man wird das Gefühl nicht los, dass bei der privaten Krankenversicherung die Ruhe vor dem Sturm eingekehrt ist

In diesem Jahr hatte die PKV Glück, dass die Bundesregierung bei ihrer Gesundheitspolitik die Thematik PKV ausgeklammert hat. Allerdings steht die PKV in den Negativschlagzeilen der Presse, hauptsächlich aufgrund der letzten Beitragserhöhung. Aktuell ist etwas Ruhe eingekehrt, was jedoch nicht heißt, dass kein Beitragssturm in absehbarer Zukunft erfolgen wird.

Unisex Tarife

Im letzten Jahr hatte die Branche einen Rückgang im Neugeschäft von satten zehn Prozent zu verzeichnen. Daneben stiegen die Beiträge aufgrund der neuen Unisex-Tarife an. An den höheren Prämien war auch die Senkung des Rechnungszinses nicht unschuldig, die gleichzeitig mit den Unisex-Tarifen auf die privaten Krankenversicherer zukamen. Daneben macht den Gesellschaften die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zu schaffen. Auch Verkaufsargumente, mit welchen die private Krankenversicherung ihre Vorteile gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung zeigte, verschwanden spätestens mit den Unisex-Tarifen. Die finanzielle Lage der PKV wird nicht einfacher. Immerhin stiegen im Zeitraum zwischen 2010 und 2014 die Ausgaben für jedes versicherte Mitglied der PKV um 15 Prozent an. Damit kamen Beitragserhöhungen zustande, die weit über den Lohnerhöhungen liegen.

Beiträge steigen

Für die privaten Krankenversicherer macht sich jetzt bemerkbar, was die Lebensversicherer schon seit einiger Zeit zu schaffen macht. Gemeint ist das seit langer Zeit andauernde Tief der Zinsen. Diese Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank führt bei den privaten Krankenversicherern zu einer stärkeren Absenkung der Rechnungszinsen. Diese Absenkung wird zum Problem hauptsächlich für ältere Bestandskunden, die mit spürbar höheren Anpassungen ihrer Beiträge rechnen müssen. Im umgekehrten Fall fehlen Zinsgewinne für jüngere privat Krankenversicherte. Diese sind aber notwendig, um individuelle Reserven für das Alter dieser jetzt noch jungen Generation der Privatversicherten anzusparen.

PKV passt an

Für die PKV stellt sich die Frage, wie sie die Anpassung der Beiträge besonders für altere Bestandskunden im Rahmen halten kann. Diese Frage führt zum Blick auf das Neukundengeschäft, das vor sich hin dümpelt. Für potenzielle Kunden gibt es keine attraktiven Tarife oder ein Versicherungsprodukt, das auch in Zukunft Bestand hat.

Bundestagswahl

Die privaten Krankenversicherer befinden sich in schweren Zeiten. Auch die nächste Bundestagswahl, die 2017 stattfindet, kann die Versicherer nicht optimistisch stimmen. Ob und in wie weit der Weg der PKV nach der Wahl weitergeht, entscheidet die Zusammensetzung des Bundestages und der Regierung. Eine Reihe der Abgeordneten, auch in Regierungskreisen, spricht sich immer deutlicher für die Schaffung einer Bürgerversicherung aus. Noch befindet sich die PKV im Ruhezustand, doch der nächste Sturm ist vorprogrammiert und damit die Frage, wie gut sich die PKV darauf vorbereitet hat.

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